12.02.20

"Overload" - Was ist das und wie funktioniert es (nicht)?


"Overload" bedeutet, dass der Zuspieler auf engem Raum verschiedene Angreifer anspielt - bei sehr geringem zeitlichen Unterschied: zum Beispiel; Schuss plus Außen-Angreifer oder Aufsteiger plus Pipe plus Diagonal. Damit ein Overload wirkungsvoll eingesetzt werden kann, muss das Tempo der jeweiligen Zuspiele nach meinen Messungen unter 1 Sekunde sein, bestenfalls 0,8 Sekunden (Aufsteiger etwas schneller). In dem Video hat mein Co-Trainer Graham Bell euch Beispiele zusammen geschnitten. Manche führen zum Punkt, manche nicht.

Auch lesenswert: Was Zuspieler von John Bonham lernen können

07.01.20

BVV-Grundschul-Champions-Cup

An alle Grundschullehrer und Kooperationsvereine von Grundschulen: In diesem Jahr veranstaltet der GCDW wieder das große BVV-Grundschul-Champions-Finale in Gilching. Viele Grundschulcups in Bayern werden als Qualifikationsturniere für das große Finale gewertet.
Euren Grundschulcup bitte unbedingt beim bayerischen Volleyball-Verband anmelden (schule@volleyball.bayern).

Für alle Lehrer oder Trainer die nochmal INPUT brauchen für den Unterricht mit kleinen Kids - die Zeitschrift "EINFACH SPORTLICH" (Ausgabe 29/2019/RAABE VERLAG) hat einen Beitrag von mir herausgebracht. In dem  Artikel habe ich drei Musterstunden ausgearbeitet. Zwei weitere "unkonventionelle" Stunden werde ich demnächst hier veröffentlichen.

01.01.20

Was Zuspieler von John Bonham lernen können



Das Video zeigt eine wunderbare Erklärung warum John Bonham nicht nur ein guter Drummer war, sondern ein revolutionärer Rock and Roll Schlagzeuger. Zuspieler im Volleyball sollten sich ein Beispiel daran nehmen.

John Bonham hält den Rythmus, spielt Off-Beats, stille Noten, ist unberechenbar und trotzdem verlässlich.

Natürlich muss ein Zuspieler sein Handwerk grundsätzlich beherrschen. Virtuosität ist allerdings mehr als immer den Ball weit oben zu spielen, kurzen Ballkontakt zu haben, unter dem Ball zu stehen und brav aus neutraler Position den Ball zu spielen.

Was genau muss ein Zuspieler meiner Meinung nach können?

Taktisch muss er alle Angriffseffizienzen seiner Angreifer und die Fähigkeiten des Block des Gegners als “Bauchgefühl” wissen um den richtigen Pass auszuwählen. Am Ende trägt er dafür die Verantwortung, dass sein Team besser angreift als bei einem anderen Zuspieler. Das muss nicht unbedingt heißen, dass er immer einen Einerblock frei spielt, kann aber natürlich ein Teil davon sein.

Er muss tarnen und er muss auch mal täuschen. Was muss er meiner Meinung nach nicht? Er muss sicherlich nicht jeden Pass am höchsten Punkt spielen, er muss sicherlich nicht immer einen kurzen Ballkontakt haben, er muss sicherlich nicht immer nur tarnen.

Wenn man dann alles kann, was muss man können um weltklasse zu sein? Um genial zu sein, muss ein Zuspieler viel mehr können- er muss fähig sein Off-Beats zu spielen, also verschiedene Timings zu finden - einen Pass am höchsten Punkt mit schnellen Fingern spielen oder ihn verzögert mit langem Kontakt spielen. Am besten beide Varianten in Kombination z.B. zuerst einen 3m Schuss mit schnellem Kontakt und als nächstes einen Overload über den Schuss nachdem er den Kontakt Finger/Ball verlängert. Er gibt damit dem Block erst die Zeit um auf eine Finte herein zu fallen.

Er muss diese Geschwindigkeiten und verschiedenen Timings dem Rhythmus unterschiedlicher Angreifer anpassen und sie trotzdem räumlich/zeitlich exakt einsetzen. Er darf trotz Offbeats nicht den grundsätzlichen Rhythmus seines eigenen Spiels verlieren, sonst steigt die Fehlerquote. Gleichzeitig muss er immer wieder und auf jeden Gegner neue Beats und Offbeats finden um nicht analysierbar zu bleiben.

Am Ende muss er wieder mit seinen Mitspielern zusammen finden-genau wie der Schlagzeuger zu seinem Gitarristen zurück finden muss.

Genau wie bei dem Hörer der Musik von Led Zeppelin wird der Zuseher eines Zuspielers wie Grankin, Bruno oder De Cecco die Rhythmus/Timingwechsel nur intuitiv und kaum bewusst wahrnehmen-begeistert sein, ohne zu wissen wieso. Gute Musik eben.

Ich denke John Bonham wäre ein genialer Zuspieler geworden...

Meiner Meinung nach werden diese Qualitäten in der Ausbildung von jungen Spielern zu wenig gefördert. Das klasse Handwerk: “im Takt spielen” wird zu viel trainiert. Am Ende haben wir gute, solide Zuspieler - aber keine virtuosen Weltklasse-Schlagzeuger äh Zuspieler.

10.12.19

Das Geheimnis von Gewinnern

Es gibt eine gigantische Untersuchung von Datensätzen der Northwestern University. Es werden z.B. etwa 800.000 Anwendungen aus dem Zeitraum 1985 bis 2015, Daten aus 46 Jahren Venture Capital und Unternehmensgründungen bis hin zu 170.00 terroristischen Angriffen zwischen 1970 und 2017 untersucht. In diesen Datensätzen wird nach der Formel des Erfolgs gesucht. Dabei wurde die exakte Formel noch nicht gefunden, aber die Rolle des Versagens wurde unterstrichen.

Die Ergebnisse dieser Studie lassen sich meiner Meinung nach auch auf Sport übertragen. Was waren die Ergebnisse und Schlussfolgerungen? Ist es wirklich Ausdauer oder Glück was Erfolg von Scheitern trennt?

Es sind vor allem zwei interessante Ergebnisse bzw. Ansichten die gewonnen werden:
Alle Gewinner starten als Verlierer. Aber nicht jede Niederlage führt zum Erfolg. Also was unterscheidet Gewinner von Verlierern?

1. Es ist eben nicht wie oft gedacht PERSISTENCE  (Beharrlichkeit, Ausdauer). Denn ein Ergebnis der Studie ist, dass diejenige die Erfolg hatten, es nicht öfter versuchten, als diejenigen die scheiterten.

2. Es stellt sich heraus, dass "immer und immer wieder versuchen" nur dann funktioniert, wenn man aus den vorangegangen Fehlern lernt. Es müssen nach einem Scheitern also klare Schlüsse und Konsequenzen gezogen werden.
--> man könnte also sagen "work smart not hard" - natürlich auf der Basis von jeder Menge "work".

3. Ein zweiter Indikator (neben "behalte was funktioniert und lass weg was nicht klappt") ist die Zeit zwischen aufeinanderfolgenden Niederlagen - diese sollte immer kleiner werden. Kurzum: je schneller du nacheinander scheiterst, desto größer sind deine Chancen auf Erfolg.

("Failure found to be an essentiell perequisite for success", David Noonan, Scientific American, 2019)

07.11.19

Spezifität und seine Missverständnisse

Ein kontroverses Thema im Sport-und so auch im Volleyball- ist alles was sich um "Spezifität" handelt. Hier kommt es zu vielen Missverständnissen. US-Forschungen im Bereich Motor-Learning beweisen, dass man eine Sportart spezifisch trainieren muss, um darin besser zu werden.


Das heißt so viel wie: Durch Volleyaball wird man am schnellsten im Volleyball besser. Ist natürlich plausibel und in einer künstlichen Testreihe unwiderlegbar. Als Beispiel im Volleyball wird dabei Baggern gegen eine Wand im Vergleich zum Baggern eines über das Netz fliegenden Balles genommen. Ziel ist die Annahme-Qualität. Dies bringe nichts für die Annahme, da wichtige Faktoren (Ballflug, Netz, Antizipation) nicht vergleichbar wären.

Gut wäre, wenn dieses Ergebnis dazu führt, dass alle Volleyballtrainer sich überlegen, ob ihre Übungen auch wirklich der beste Weg sind, um eine bestimmte Sache zu verbessern. 
Schlecht wäre, wenn man nicht zwischen Niveaus und Altersgruppen unterscheidet, um ein Urteil über eine Übung zu fällen. Übungen können für kleine Kinder absolut volleyballspezifisch sein und für fortgeschrittene Spieler zu wenig spezifisch.

Die Ergebnisse auf eine komplette Sportwelt zu übertragen ist zwar im Grunde richtig, die Interpretation der Ergebnisse ist aber leider oft irreführend. Es geht so weit, dass in manchen Foren Trainer behaupten, Beachvolleyball zu spielen bringe nichts für Hallenvolleyballer. Versteht mich nicht falsch. Dass Hallen-Nationalspieler das ganze Jahr Hallenvolleyball spielen sollten, finde ich plausibel. Aber für alle Anderen ist das psychologisch und somit auch motorisch langfristig ein zu eintöniger Trainingsreiz. Volleyball hat viele schlechte Voraussetzungen. Aber eine geniale Eigenschaft ist die wunderbare Vielfalt der äußeren Gegebenheiten. Es wäre dumm, dies nicht zu nutzen.
"Spezifisch" heißt so viel wie "charakteristisch". Das bedeutet, dass wichtige Punkte im Spiel erhalten bleiben müssen. Im Beachvolleyball wird über ein Netz gespielt, es wird gebaggert, gepritscht, gestemmt, angegriffen, gesichert, verteidigt etc. ... NATÜRLICH ist das spezifisch für die Spielfähigkeit (die wichtigste aller Fähigkeiten). Auch wenn der Ball nicht genau der selbe, der Untergrund anders und das Feld kleiner ist. Ja, manchmal bläst auch etwas Wind. Natürlich lernt jemand der Beachvolleyball lernt auch Volleyball. Andersrum sehe ich mehr Schwierigkeiten. Und zwar dann, wenn jemand im Hallenvolleyball sehr spezialisiert auf seiner Position agiert.Aber dennoch sehe ich einen gewissen Transfer.
Ob etwas 100% spezifisch ist oder nur 60%, ist nicht der alles entscheidende Faktor in einem Sportspiel. Ansonsten würde man in der Halle nur 6 vs 6 spielen (das mag für den absoluten Hochleistungsbereich sogar möglich sein). Dann kann man aber kaum aus seinem aktuellen Trainingslevel raus. Wenn wir uns beispielsweise an andere Geschwindigkeiten gewöhnen wollen, müssen wir Übungen erstellen, die höhere Geschwindigkeiten auf den Ball bringen als wir in unserem spezifischen Trainingsspiel schaffen. Vor allem im unteren und mittleren Leistungsbereich ist es schwer, Situationen im Training zu schaffen, wie sie nur 1-2 Ligen höher vorkommen. In so einem Fall muss man auch mal ein paar Prozentpunkte an Spezifität aufgeben.
Trotz meiner Abschwächung dieser Spezifitäts-Philosophie, sollte man als Trainer immer im Hinterkopf behalten, für was man eigentlich trainieren will; in was man besser werden will. Meistens denkt man zu kompliziert. Wenn man Annahme trainieren will, und man kann bereits frontal und seitlich baggern, macht es Sinn einen Aufschlag zu machen und nicht gegen die Wand zu baggern.

Wenn man aber noch gar nicht baggern kann, macht es Sinn auch mal an einer Wand zu üben. Wenn man Surfen lernen will, macht es ja auch Sinn, wenn man davor Schwimmen lernt. Auch wenn es nicht spezifisch für das surfen ist.
PS: Da das gegen eine Wand baggern in der Motor-Learning Studie als so schlecht dargestellt wird: Ferdinand Tille, einer der besten Deutschen Liberos, hat als kleines Kind immer auf sein Hausdach gebaggert. Er hält das heute noch für das spezifischere Annahmetraining als Fernsehen ; )

01.09.19

Regeländerungen im Volleyball?


Kürzlich hat sich Hugh McCutcheon dazu geäußert, was er am Volleyball ändern würde. Wer das ist? Das ist der ehemalige Nationaltrainer der USA. Hier kurz seine Änderungsvorschläge:

1. Obere Annahme verbieten, damit Trainer mehr auf Float Service umstellen anstatt Sprung und somit weniger Aufschlagfehler passieren

2. Den Tip (Legen) mit der offenen Hand verbieten, damit sich Spieler andere Lösungsmöglichkeiten einfallen lassen

3. Alle Doppelkontakte (unsauberes Spiel) erlauben-aber keine "gehobenen Bälle"

Zu 1.:

Mark Lebedew (australischer Nationaltrainer) findet das keine gute Idee, da er der Meinung ist, ein Sprungaufschlag hat seinen eigenen Reiz und Unterhaltungswert für das Spiel - auch wenn dabei mehr Fehler passieren.

Ich glaube schlichtweg nicht, dass diese Regeländerung den gewünschten Effekt nach sich zieht. Zu glauben, dass dann alle auf Float umsteigen ist ein Trugschluss. Man hat schon oft im Volleyball Regeln geändert um etwas bestimmtes zu bewirken. Es hat so gut wie nie funktioniert.

2. Das "Legen" verbieten. Es wäre ein Ansatz um das Spiel fairer zu gestalten. Da bei dieser Art Angriff der Spielraum der Regelauslegung zu schwierig für das Schiedsgericht ist. Kurzum: es wird mal so und mal so entschieden bei strittigen Bällen. Aber muss eine Sportart 100% fair sein? Hat das nicht einen gewissen Reiz? Ich meine schon.

3. Ich bin 100% der Meinung, dass man keinen Vorteil hat, wenn man einen Ball unsauber ("2-mal") spielt. Somit gibt es in der Tat keinen wirklichen Grund für diese, den Zuschauer störende, Regel.

26.07.19

Stemmschritt Beach - Was ist entscheidend?

Ein sau starkes und witziges Video über den Approach beim Beach mit Taylor Crabb. Einen Punkt finde ich so gut, dass ich ihn sogar in die Halle übernehme. Bei einem anderen würde ich es ganz anders sehen. Und dann würde ich noch etwas ergänzen.